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short stories - god eat god

die ersten sonnenstrahlen waren noch so verschlafen wie ich selbst. sie blinzelten auf die alten straßen & gassen herab & vergoldeten das antlitz der heiligen stadt. der himmel lächelte mir freundlich zu als ich mich auf den weg machte. zum aufstehen hatte ich mich heute früh schon zwingen müssen. ich hätte gern noch ein zwei stunden länger in meinem bette verweilt. so ist das nunmal wenn man auch nicht mehr ganz der jüngste & langes ausschlafen gewohnt ist. dennoch man muss früh los, wenn man großes vor hat. der weg war nicht allzu weit & so war ich bald angekommen. ich stemmte mich gegen die heilige tür des heiligen hauses das herzstück der heiligen stadt & schaffte es nach einiger kraftanstrengung auch ins innere des gebäudes zu gelangen. die faltenumrahmten augen blickten auf einen weiten gang hinunter der erst in der ewigkeit zu enden schien. viele tausend türen waren in die heiligen wände des heiligen ganges geklemmt damit das gebäude darüber nicht zusammenfallenen möge wie ein heiliges kartenhaus. ein eigenartiges gefühl endlich einmal selbst hier zu stehen nach all den jahren. aber durchaus kein schlechtes. ohne großartig zu rätseln welche der türen die richtige sei denn ich wußte es wäre egal ging ich auf die erstbeste zu & öffnete sie. „Was gibt´s denn alter mann?“ flog mir aufgeschreckt eine stimme entgegen. die stimme gehörte einem diener des herren dessen heiligen geist ich wohl gerade aus dem heiligen schlaf gerissen hatte. aus seinem rechten mundwinkel ragte noch geradeso die spitze eines kruzifixes das so weit ich das erkennen konnte eigentlich dazu bestimmt war an einer kette um seinen hals zu baumeln. er lag noch immer über seinem schreibtisch gebeugt auf einem stapel heiliger akten die er sich zu einer art heiligem kissen zuerecht gelegt hatte. selig musste er so wohl eine kleine ewigkeit geschlummert versucht haben das arme jeusukind, das eh schon am kreuz hing & sich also nicht mehr wehren konnte in seinem speichel zu ertränken. der versuch war allerdings misslungen der sabber auf das heilige kissen getropft. nun harte der schläfer einer guten erklärung für die unangenehme störung der heiligen ruhe. hier war ich also am ziel meiner reise angelangt mein vorhaben konnte beginnen. ich hatte mir das reiflich überlegt, mir den ablauf der ereignisse bereits im vorraus genauestens zurecht gelegt & im geiste durchgespielt; extra für diesen anlass: „hiermit trete ich aus ihrer kirche aus.“ begann ich. „aha“ auf seinem halskreuz kauend kramte der gute mann in den angefeuchteten akten bis er ein formular gefunden hatte: „name?“ ich räusperte mich: „ich bin...“ bedeutungsschwanger fuhr ich mir noch einmal mit der alten hand durch die grauen barthaare um die spannung zu erhöhen & verschob die stimme in einen tiefen brustton, so wie damals in den guten alten brennenden-busch-tagen: „ICH BIN GOTT!“- ausgezeichnet genau so hatte ich mir das vorgestellt. mein gegenüber hob sein gesicht & blickte kurz von den heiligen akten auf. eine weile sah er mich fragend an. „`gott´ ? - mit `dt´ oder `doppel - t´? “ fragte der gute kirchenmann schließlich & schob das kleine goldene kreuz in den anderen mundwinkel.

autor: john steam